Was bedeutet die somatische Zellzahl in der Milch?
Was die SCC bedeutet
Wann ist die SCC zu hoch?
über 200.000 Zellen/ml = Hinweis auf subklinische Mastitis.
über 400.000 Zellen/ml = EU-Grenzwert für Rohmilch.
Was kostet Sie eine hohe SCC?
Bei 5.000 l Tankmilch pro Tag entspricht das 45.000–75.000 CZK pro Monat
Ursachen einer hohen SCC in der Milch
Eine hohe SCC hat in 90 % der Fälle eine Hauptursache: subklinische Mastitis - eine Euterentzündung ohne sichtbare Symptome. Konkrete Auslöser sind:
1. Bakterielle Infektionen (Hauptursache)
- Staphylococcus aureus → chronische, kontagiöse Mastitis, Übertragung während des Melkens
- Streptococcus agalactiae → hoch ansteckend, aber gut eradizierbar
- Streptococcus uberis → primär ein Umwelterreger (Einstreu), einige Stämme können jedoch auch kontagiös übertragen werden
- Koagulase-negative Staphylokokken (KNS) → weniger virulent, heute jedoch sehr häufig, insbesondere bei subklinischen Infektionen
- Coliforme Bakterien (E. coli, Klebsiella) → Umwelterreger, häufig akute/perakute Mastitis mit ausgeprägten klinischen Symptomen
2. Melkhygiene
- Unzureichendes Pre-Dipping und Post-Dipping
- Falsche Melkreihenfolge (infizierte Kühe vor gesunden Kühen)
- Verschlissene Zitzengummis im Melkzeug
- Falsch eingestelltes Vakuum oder fehlerhafte Pulsation
3. Umgebung
- Feuchte, verschmutzte Einstreu - Umwelterreger (E. coli, Klebsiella spp., S. uberis)
- Unzureichende Stallbelüftung
- Hohe Besatzdichte
- Zu wenig Liege- und Ruhefläche
4. Erstkalbinnen und Färsen
Bis zu 30 % der Erstkalbinnen weisen bereits beim Abkalben eine subklinische Mastitis auf. Junge Kühe verfügen über eine noch nicht vollständig entwickelte Euterabwehr und können sich bereits vor der ersten Kalbung infizieren.
Weitere Faktoren:

Diagnostisches Vorgehen: So finden Sie die Ursache des Problems

Kontrolle der SCC einzelner Kühe
80/20-Regel: Typischerweise verursachen 20 % der Kühe 80 % des Problems mit der Tankmilch-SCC. Ziel ist es, genau diese Tiere zu identifizieren und gezielt zu behandeln.

CMT/NK-Test während des Melkens
Vorgehen: Milch auf einer speziellen Testplatte mit dem Reagenz mischen → nach 30 Sekunden Konsistenz bzw. Gelbildung beurteilen. Positive Reaktion = hohe SCC in diesem Viertel = anschließend ClearMilk-Test durchführen.

Erregeridentifikation mit dem ClearMilk-Test direkt auf dem Betrieb
Der ClearMilk-Test auf dem Betrieb unterscheidet innerhalb von 24 Stunden die wichtigsten Erregergruppen (G+, G−, Hefen). Für die definitive Artbestimmung und ein Antibiogramm sollte die Probe anschließend zur mikrobiologischen Untersuchung ins Labor geschickt werden.

Gezielte Behandlung oder Entscheidung über die Kuh
- Positiver bakteriologischer Befund + gute Behandlungsprognose → gezielte Antibiotikatherapie entsprechend dem Antibiogramm
- Chronische S.-aureus-Infektion / wiederkehrende Episoden → Aussonderung erwägen
- Negativer bakteriologischer Befund + hohe SCC → Umweltstress oder Problem mit der Melkhygiene
Behandlung und Prävention: So halten Sie die SCC dauerhaft niedrig
1. Selektives Trockenstellen
Studien zeigen, dass korrekt umgesetztes SDCT die SCC der Tankmilch langfristig unter 200.000 halten kann.
2. Melkhygiene
- Pre-Dipping mit einer Desinfektionslösung vor dem Ansetzen des Melkzeugs
- Trockene Vorbereitung - Einweg-Papiertuch, eines pro Kuh
- Post-Dipping mit einem Schutzfilm nach dem Melken
- Melkreihenfolge: gesunde Kühe → Kühe mit höherer SCC → klinisch erkrankte Kühe (niemals umgekehrt)
- Regelmäßige Wartung des Melkzeugs - Zitzengummis alle 6 Monate wechseln
3. SCC-Monitoring
- Monatliche Milchleistungsprüfung aller Kühe im Bestand
- Wöchentliche Kontrolle der Tankmilch über die Molkereibeprobung
- CMT-Screening verdächtiger Kühe mehrmals monatlich
- Trends - Anstieg der SCC einer Kuh um mehr als 50.000 innerhalb eines Monats = sofortige Diagnostik
4. Aussonderung chronisch betroffener Kühe
Wenn eine Kuh auch nach der Behandlung bei drei oder mehr Kontrollen dauerhaft eine SCC über 500.000 Zellen/ml aufweist, ist eine Aussonderung aus wirtschaftlicher und hygienischer Sicht häufig sinnvoll. Eine chronisch infizierte Kuh dient als Infektionsreservoir für den gesamten Bestand und kann die SCC der Tankmilch deutlich erhöhen.
Wirtschaftlichkeit: Was kostet Sie eine hohe SCC?
| Position | Bestand mit 100 Milchkühen, Tankmilch 2.500 l/Tag |
| Molkereibonus (SCC < 250.000) | +0,30 CZK/l = +900 CZK/Tag = +27.000 CZK/Monat |
| Abschlag (SCC 300.000–400.000) | −0,30 CZK/l = −900 CZK/Tag = −27.000 CZK/Monat |
| Ablehnung der Milch (SCC > 400.000) | Entsorgung der gesamten Tankmilch - typischerweise 60.000–120.000 CZK pro Ereignis |
| Produktionsrückgang (5–15 %) | 150–450 l/Tag weniger = 36.000–108.000 CZK/Monat |
Rentabilität der Diagnostik
Die Investition amortisiert sich typischerweise innerhalb von 1–2 Monaten nach erfolgreicher Senkung der SCC.
Bei einem Bestand von 100 Milchkühen = ca. 7.000 CZK/Monat für regelmäßige Diagnostik.
| Preis | Cena |
| ClearMilk test | ca. 150 CZK/Probe |
| Antibiogramm | ca. 300 CZK/Isolat |
| Monatliche Milchleistungsprüfung: | ca. 30 CZK/Kuh |
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Praxisbeispiel aus einem realen Milchviehbestand in Tschechien
Ausgangssituation (Januar)
- Bestand mit 180 Milchkühen, Tankmilch ca. 4.200 l/Tag
- SCC der Tankmilch: 380.000 Zellen/ml - wiederholt grenzwertig, Abschlag 0,30 CZK/l
- Hauptproblemtiere: 22 Kühe mit individueller SCC > 300.000
Maßnahmen und Einsatz von ClearMilk-Tests (Februar-März)
- CMT bei allen 22 Kühen - Identifikation der betroffenen Euterviertel
- ClearMilk-Test + Antibiogramm → 9 Kühe mit S. aureus, 6 Kühe mit S. uberis, 7 Kühe mit KNS
- Gezielte Behandlung entsprechend dem Antibiogramm (Orbenin bei G+, individuelles Behandlungsschema)
- Einführung von SDCT bei Kühen ohne laufende Behandlung
- Audit der Melkhygiene + Schulung des Teams
✅ Ergebnis (Mai)
- SCC der Tankmilch: 165.000 Zellen/ml (−57 %)
- Bonus 0,30 CZK/l = +38.000 CZK/Monat
- Amortisation der Diagnostik: 6 Wochen
FAQ - Häufig gestellte Fragen
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