Mastitis bei Milchkühen: umfassender Leitfaden zur Behandlung, Prävention und Arten der Euterentzündung

Mastitis ist eine Entzündung der Milchdrüse bei Milchkühen, die am häufigsten durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Ungefähr 50 % der Kühe erkranken im Laufe ihres Lebens daran. Die Betroffenheit eines Viertels des Euters verringert die Produktion um mindestens 10–12 %. Eine frühzeitige Diagnose, ein Antibiogramm und eine selektive Behandlung sind der Schlüssel zum erfolgreichen Umgang mit der Erkrankung, ohne dass eine flächendeckende Anwendung von Antibiotika erforderlich ist.

Was ist Mastitis bei Milchkühen?

Mastitis ist eine entzündliche Erkrankung der Milchdrüse, die meist durch Bakterien und seltener durch Hefen oder Algen verursacht wird. Sie entsteht, wenn Krankheitserreger über den Strichkanal in das Euter eindringen und die Abwehrmechanismen der Milchdrüse überwinden. Die Erkrankung beeinträchtigt deutlich die Milchleistung, die Milchqualität und die Gesundheit der Kuh.

Mastitis zählt zu den bedeutendsten gesundheitlichen und wirtschaftlichen Problemen moderner Milchviehbetriebe - die geschätzten Verluste in der EU belaufen sich auf rund 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Mastitis ist in der Regel nicht nur ein Problem einer einzelnen Kuh, sondern des gesamten Bestandes: Ansteckende Formen können sich über das Melksystem schnell verbreiten.

Die Entstehung einer Mastitis wird stets von mehreren Faktoren gleichzeitig beeinflusst - mikrobiellen Erregern, der individuellen Anfälligkeit der Milchkuh, der Melkhygiene, der Qualität der Liegeflächen, der Fütterung sowie menschlichen und technischen Faktoren beim Melken. Eine umfassende Lösung erfordert einen systematischen Ansatz für den gesamten Bestand und nicht nur die Behandlung einzelner Fälle.

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Formen der Mastitis bei Kühen

Mastitiden werden nach Verlauf, klinischen Symptomen und Dauer eingeteilt. Jede Form erfordert einen unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Ansatz.

SUBKLINISCH

Subklinische Mastitis

Die subklinische Mastitis ist die häufigste Form - sie macht 70-80 % aller Mastitisfälle im Bestand aus. Gleichzeitig ist sie am wenigsten auffällig: Die Kuh zeigt keine sichtbaren Symptome, die Milch sieht normal aus und das Euter weist keine sichtbaren Entzündungszeichen auf. Der einzige zuverlässige Indikator ist eine erhöhte somatische Zellzahl (SCC) von über 200.000 Zellen/ml.

Die Gefahr liegt im langfristigen Verlauf - die Kuh verliert 5-15 % ihrer Milchleistung, die Milch weist eine geringere Verarbeitungsausbeute auf und vor allem dient die Kuh als Infektionsreservoir für den restlichen Bestand. Eine subklinische Mastitis lässt sich nur durch regelmäßige Überwachung der Zellzahl sowie Screeningtests wie CMT, NK-Test oder den betrieblichen ClearMilk-Diagnosetest erkennen.

AKUT

Akute klinische Mastitis

Die akute Form tritt schnell auf und zeigt sichtbare Symptome: Schwellung eines oder mehrerer Euterviertel, Berührungsschmerz, erhöhte lokale Temperatur sowie erhöhte Körpertemperatur der Kuh und veränderte Milch (Flocken, Gerinnsel, Blut). Die Milchproduktion des betroffenen Viertels nimmt drastisch ab oder kommt vollständig zum Erliegen.

Sie erfordert eine sofortige therapeutische Intervention - idealerweise nach Bestimmung des Erregers und seiner Empfindlichkeit mittels Antibiogramm, damit die Behandlung gezielt und möglichst kurz erfolgen kann.


PERAKUT

Perakute Mastitis

Die schwerste Form mit einem sehr schnellen und dramatischen Verlauf. Sie wird häufig durch coliforme Bakterien (E. coli, Klebsiella) verursacht. Die betroffene Kuh zeigt systemische Symptome - hohes Fieber über 40 °C, Appetitlosigkeit, Dehydratation, Schwäche und manchmal einen Schock. Ohne sofortige Behandlung kann die Erkrankung innerhalb von 24–48 Stunden tödlich verlaufen.

Eine perakute Mastitis ist ein sehr ernster Zustand, der das Eingreifen eines Tierarztes erfordert. Dieser leitet in der Regel umgehend eine intravenöse Behandlung sowie weitere unterstützende Therapiemaßnahmen ein.

CHRONISCH

Chronische Mastitis

Chronische Mastitis bezeichnet eine langfristige Euterentzündung mit wiederkehrenden klinischen Episoden oder dauerhaft hoher Zellzahl (häufig über 1 Million Zellen/ml). Sie entsteht typischerweise nach einer nicht vollständig ausgeheilten akuten Mastitis oder bei Infektionen mit antibiotisch schwer behandelbaren Erregern wie Staphylococcus aureus oder Mycoplasma bovis.

Die Behandlung einer chronischen Mastitis ist häufig wenig erfolgreich. Wirtschaftlich ist es daher oft sinnvoller, die betroffene Kuh auszusondern - eine chronisch infizierte Kuh verbreitet die Infektion weiterhin im Bestand.

Vergleich der Mastitisformen

TypSymptomeSCCErkennungBehandlung
SubklinischKeine sichtbaren Symptome>200 000SCC-Monitoring / CMT,
ClearMilk-Test
Gezielte Behandlung in
indizierten Fällen (auf Grundlage eines Antibiogramms)
AkutSchwellung, Schmerzen,
veränderte Milch
HochVisuelle Kontrolle, ClearMilk-Testmeist Antibiotika für 5-7 Tage
(auf Grundlage eines Antibiogramms)
PerakutSystemisch (Fieber, Schock)HochKlinische UntersuchungDringende intravenöse und unterstützende Therapie;
Antibiotika nur in indizierten Fällen
ChronischWiederkehrende Episoden,
verhärtetes Gewebe
Dauerhaft >1 MioAnamnese + LaborHäufig Aussonderung

Ursachen und Erreger der Mastitis

Mastitis kann durch mehr als 130 verschiedene Erreger verursacht werden. Aus praktischer Sicht werden sie in zwei Hauptgruppen eingeteilt.

Kontagiöse Erreger (Kuh-zu-Kuh)

Sie verbreiten sich hauptsächlich während des Melkens von Kuh zu Kuh - über kontaminierte Zitzengummis, verschmutzte Hände des Melkpersonals oder gemeinsam verwendete Tücher. Die wichtigsten Vertreter sind:

  • Staphylococcus aureus - einer der bedeutendsten ansteckenden Erreger, der das Euter häufig chronisch infiziert
  • Streptococcus agalactiae - hoch ansteckend, aber gut behandelbar
  • Streptococcus uberis - früher als Umwelterreger eingestuft; heute zeigen zahlreiche S.-uberis-Stämme auch eine kontagiöse Übertragung
  • Mycoplasma bovis - keine wirksame Behandlung; betroffene Kühe sollten ausgesondert werden
  • Streptococcus dysgalactiae - Vorgehen wie bei einer Infektion mit S. agalactiae

Umwelterreger

Sie stammen aus der Umgebung des Bestandes - Einstreu, Gülle, Wasser oder Futter. Die Infektion erfolgt typischerweise zwischen den Melkzeiten oder während der Trockenstehperiode.

  • E. coli - bedeutender Umwelterreger, häufig mit perakutem Verlauf
  • Klebsiella pneumoniae - häufig stammt die Infektion aus der Einstreu
  • Streptococcus uberis - kontaminierte Einstreu; einer der häufigsten Erreger subklinischer Mastitiden
  • Enterococcus faecalis - hojně přítomen ve stájovém prostředí

Weitere Erreger

Koagulase-negative Staphylokokken (KNS) - weniger virulent, aber sehr häufig

  • Hefen (Candida spp.) - häufig sekundär nach einer Antibiotikatherapie
  • Algen (Prototheca) - selten, nicht behandelbar; Aussonderung der Kuh
  • Ausführliche Profile der einzelnen Erreger einschließlich Fotos typischer Wachstumsmuster auf dem ClearMilk-Test finden Sie im Erregeratlas.

Prädisponierende Faktoren

Die Entstehung einer Mastitis wird beeinflusst durch:

  • Melkhygiene - Pre-Dipping, Post-Dipping, Desinfektion
  • Zustand der Melkanlage - verschlissene Zitzengummis, falsche Vakuumeinstellung
  • Qualität der Liegefläche - Feuchtigkeit, Sauberkeit
  • Fütterung - Selen, Vitamin E, BCS
  • Stress - peripartale Phase, Temperatur, Lärm, Verhalten des Personals
  • Genetik - einige Rassen bzw. Linien sind anfälliger
  • Laktationsstadium - das Risiko ist während der Trockenstehperiode und kurz nach dem Abkalben am höchsten

Symptome einer Mastitis bei Milchkühen

Bei frühzeitiger Erkennung kann eine Mastitis erfolgreich behandelt werden. Darauf sollten Sie achten:

Beim Melken

  • Veränderungen der Milch - Flocken, Blut, Eiter, dünnere oder dickere Konsistenz
  • Schwellung eines oder mehrerer Euterviertel
  • Asymmetrie des Euters - das betroffene Viertel ist größer oder härter als die anderen
  • Berührungsschmerz (die Kuh weicht aus, ist unruhig oder kann treten)
  • Erhöhte lokale Temperatur des Euters
  • Verminderte Milchmenge aus einem bestimmten Viertel
  • Verhärtete Knoten im Drüsengewebe
  • Veränderungen der Zitze - Rötung, Verletzungen, Rhagaden und Keratinisierung der Strichkanalöffnung
  • Restmilch - unvollständige Entleerung des Viertels

Allgemeinsymptome (nur bei akuter/perakuter Mastitis)

  • Verminderte Futteraufnahme
  • Lethargie, verminderte Aktivität
  • Fieber über 39,5 °C (normal 38,5-39 °C)
  • Dehydratation (insbesondere bei coliformer Mastitis)
  • Beschleunigte Atmung
  • Verminderte Gesamtmilchleistung

Bei subklinischer Mastitis

Keine sichtbaren Symptome. Die Indikatoren sind überwiegend labordiagnostisch:

  • Individuelle SCC > 200.000 Zellen/ml
  • Erhöhte elektrische Leitfähigkeit der Milch
  • Positives Ergebnis beim CMT/NK-Test
  • Bakterienwachstum im ClearMilk-Test
  • Rückgang der Milchleistung

Mastitis bei Erstkalbinnen und Färsen

Mastitis betrifft nicht nur ältere Kühe. Bis zu 30 % der Erstkalbinnen weisen bereits beim Abkalben eine subklinische Mastitis auf, die häufig schon vor der ersten Kalbung erworben wurde.

Warum Erstkalbinnen und Färsen besonders gefährdet sind

  • Noch nicht vollständig entwickelte Immunabwehr der Milchdrüse
  • Infektionen während der Aufzucht (häufig Streptococcus uberis aus der Umgebung)
  • Stress in der peripartalen Phase (Abkalbung, Beginn der Laktation)
  • Anatomische Faktoren (engere Strichkanäle, weniger ausgereifter Keratinverschluss)

Besonderheiten der Diagnostik

Bei Erstkalbinnen kann nicht auf Daten aus vorherigen Laktationen zurückgegriffen werden. Entscheidend sind:
  • Screening in der peripartalen Phase - eine Woche vor dem Abkalben + 3 Tage nach dem Abkalben
  • CMT-Test am ersten Melktag für jedes Euterviertel separat
  • Mikrobiologische Untersuchung der Milch bei verdächtigen Kühen

Spezifische Vorbeugung bei Färsen

  • Umgebungshygiene bei Färsen vor dem Abkalben (insbesondere 3-6 Monate vor der Kalbung)
  • Impfung gegen E. coli, gegebenenfalls gegen S. aureus
  • Prophylaktische Anwendung äußerer Zitzenversiegler zwei Wochen vor dem Abkalben in Betrieben mit erhöhtem Mastitisrisiko bei Färsen
  • Kontrolle der Einstreuqualität (gegebenenfalls Beimischung von gemahlenem Kalkstein zum Einstreustroh)

Mastitisdiagnostik

Eine erfolgreiche Behandlung beginnt mit der richtigen Diagnose. Die Mastitisdiagnostik erfolgt in drei Stufen mit jeweils steigender Genauigkeit und höheren Kosten:

1) Screening auf dem Betrieb

  • schnell, kostengünstig, unzuverlässig
  • Visuelle Kontrolle - Prüfung der ersten Milchstrahlen vor Beginn des Melkens sowie Sichtkontrolle des Euters vor dem Ansetzen des Melkzeugs.
  • CMT (California Mastitis Test) / NK-Test - chemischer Indikator der somatischen Zellzahl in den einzelnen Eutervierteln. Erkennt subklinische Mastitis innerhalb von 30 Sekunden.

2) Erregeridentifikation auf dem Betrieb

ClearMilk-Test - eine dreigeteilte Petrischale mit chromogenen Agar-Nährmedien ermöglicht die Bestimmung der bakteriellen Erregerart direkt auf dem Betrieb innerhalb von 22-26 Stunden. Der Test identifiziert:
  • Gramnegative Bakterien (E. coli, Klebsiella)
  • Staphylokokken (einschließlich S. aureus)
  • Streptokokken und weitere grampositive Bakterien
Dadurch können Sie die Behandlung gezielt ausrichten, ohne mehrere Tage auf ein Laborergebnis warten zu müssen.

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3) Laborbestätigung

Für die definitive Bestimmung der bakteriellen Erregerart in unklaren Fällen sowie zur Bestimmung der Antibiotikaempfindlichkeit ist eine Laboranalyse erforderlich:

  • MALDI-TOF-Identifikation - genaue Bestimmung der Erregerart mittels Massenspektrometrie
  • Antibiogramm - Empfindlichkeit gegenüber mehr als 12 Antibiotika
  • PCR-Diagnostik - für schwer kultivierbare Erreger (z. B. Mycoplasma spp.)

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Wann welche Diagnostik eingesetzt werden sollte

SituationEmpfohlene Diagnostik
Bestands-Screening einmal monatlichSCC-Monitoring + CMT
Verdächtige KuhCMT + ClearMilk-Test
Akute klinische MastitisClearMilk-Test + Antibiogramm
Wiederkehrende MastitisMALDI-TOF + Antibiogramm
Vor dem TrockenstellenClearMilk test
Hohe SCC in der TankmilchClearMilk-Test bei allen Milchkühen mit hoher SCC

Behandlung der Mastitis

Die moderne Mastitisbehandlung folgt dem Prinzip eines verantwortungsvollen und rationalen Antibiotikaeinsatzes (Antibiotic Stewardship) - das heißt, Antibiotika werden nur dann eingesetzt, wenn sie tatsächlich erforderlich sind, und stets gezielt.

Gezielter vs. flächendeckender Antibiotikaeinsatz

Der flächendeckende Einsatz von Antibiotika (z. B. bei jeder Kuh zum Trockenstellen) erhöht die Gefahr resistenter Erreger und belastet unnötig sowohl das Betriebsbudget als auch den Stoffwechsel der Kühe. Bei einem selektiven Ansatz werden Antibiotika nur dort eingesetzt, wo sie auf Grundlage einer korrekten Diagnostik sinnvoll sind.

Bedeutung des Antibiogramms

Ein Antibiogramm zeigt, gegenüber welchen Antibiotika ein bestimmter Erreger empfindlich bzw. resistent ist. Ohne Antibiogramm erfolgt die Behandlung praktisch blind und häufig mit einem ungeeigneten Präparat. Dadurch verbessert sich die Situation nicht; im Gegenteil können resistente Stämme selektiert werden und die Situation für den gesamten Bestand verschlechtert sich.

Unser Labor erstellt Antibiogramme mit der standardmäßigen Agardiffusionsmethode für mehr als 12 Antibiotika, die für die tierärztliche Praxis relevant sind. Mehr über das Antibiogramm.

Behandlung nach Erregerart

  • Grampositive Bakterien (Staphylokokken, Streptokokken) - typischerweise Penicillin, Amoxicillin, Cephalosporine der 1. Generation
  • Gramnegative Bakterien (E. coli, Klebsiella spp.) - häufig spontane Heilung, insbesondere bei milden Fällen; Antibiotika sind nicht immer indiziert. Falls eine Antibiotikatherapie erforderlich ist, sollte eine gezielte Behandlung entsprechend der Empfindlichkeit bevorzugt werden. Cephalosporine der 3.–4. Generation und Fluorchinolone (EMA-Kategorie B) sollten als Reserveantibiotika nur bei schweren Fällen und nach sorgfältiger Abwägung eingesetzt werden. Alternativ kommen unterstützende Behandlung, NSAIDs und gegebenenfalls Aminoglykoside entsprechend der Indikation infrage.
  • Mycoplasma bovis - keine wirksame Antibiotikatherapie; Aussonderung empfohlen
  • Prototheca - keine wirksame Therapie verfügbar; Aussonderung empfohlen

Behandlungsdauer

  • Akute Mastitis: 3-7 Tage je nach Schweregrad
  • Subklinische Mastitis (falls behandelt): 5-7 Tage je nach Erregerart
  • Beim Trockenstellen: einmalige Anwendung (Wirkung während der Trockenstehperiode), 4–8 Wochen Wartezeit
  • Chronische Mastitis: individueller Ansatz, häufig geringe Behandlungserfolge, Aussonderung empfohlen

Wartezeit für Milch

Nach jeder Antibiotikabehandlung gilt eine vorgeschriebene Wartezeit, während der die Milch verworfen werden muss. Die Dauer hängt vom jeweiligen Präparat ab: typischerweise 4-7 Tage bei intramammärer Behandlung während der Laktation und 28-55 Tage beim Trockenstellen. Beachten Sie stets die Angaben in der Packungsbeilage.

Vorbeugung von Mastitis

Die Behandlung einer Mastitis ist immer teurer als ihre Vorbeugung. Dies sind die wichtigsten Bereiche:

Melkhygiene

  • Pre-Dipping - Desinfektion der Zitzen vor dem Ansetzen des Melkzeugs
  • Trockene Vorbereitung - ein Einweg-Papiertuch pro Kuh
  • Post-Dipping - Schutzfilm auf den Zitzen nach dem Melken
  • Melkreihenfolge – gesunde Kühe → Kühe mit höherer SCC → klinisch erkrankte Kühe (niemals umgekehrt)
  • Regelmäßige Wartung der Melkanlage - Kontrolle des Vakuums und Austausch der Zitzengummis in regelmäßigen Abständen

Umgebungshygiene

  • Saubere und trockene Liegeflächen - insbesondere während der Trockenstehperiode und nach dem Abkalben
  • Belüftung - feuchter Stall = höheres Vorkommen von Umwelterregern
  • Sauberkeitsbewertung der Kühe mindestens einmal monatlich (bewertet werden insbesondere Zitzen und Euter, Bauch, Oberschenkel und Hinterkörper)

Selektives Trockenstellen

Antibiotisches Trockenstellen nur bei Kühen, die es benötigen (hohe SCC, Mastitisvorgeschichte, positiver ClearMilk-Test, Veränderungen an den Zitzen). Bei den übrigen Kühen reichen Zitzenversiegler ohne Antibiotika aus.

Mehr dazu in unserem Leitfaden: Selektives Trockenstellen von Milchkühen.

Impfung

Verfügbare Impfstoffe richten sich gegen:
  • E. coli
  • S. aureus
  • S. uberis
Eine Impfung ersetzt keine gute Hygiene, kann jedoch den Schweregrad klinischer Mastitisepisoden verringern.

Wiederkehrende und chronische Mastitis

Wenn eine Kuh während einer Laktation drei oder mehr klinische Episoden aufweist, sprechen wir von chronischer Mastitis. Mögliche Ursachen sind:

  • Nicht vollständig ausgeheilte ursprüngliche Infektion (ungeeignetes Antibiotikum, zu kurze Behandlung)
  • Schwer behandelbarer Erreger (z. B. chronische Euterinfektion durch S. aureus)
  • Anatomische Schädigung des Euters
  • Begleiterkrankungen (verminderte Immunabwehr)

Was bei wiederkehrender Mastitis zu tun ist

  1. Erneute Diagnostik mit ClearMilk-Test + Antibiogramm - möglicherweise handelt es sich um einen anderen Erreger oder um einen Stamm mit erworbener Resistenz gegen das zuletzt eingesetzte Antibiotikum
  2. Beratung durch einen auf Milchvieh spezialisierten Tierarzt
  3. Aussonderung erwägen - bei erfolgloser Behandlung ist eine chronisch infizierte Kuh wirtschaftlich unrentabel und verbreitet die Infektion im Bestand.

Wirtschaftliche Auswirkungen der Mastitis

Mastitis ist eine der kostspieligsten Erkrankungen bei Milchvieh. Modellberechnungen für einen durchschnittlichen Milchviehbetrieb:

Klinische Mastitis

  • Verwerfen der Milch während der Wartezeit: 2.000-3.000 CZK
  • Verwerfen der Milch während der Wartezeit: 2.000-3.000 CZK
  • Verminderte Milchleistung während und nach der Erkrankung:
    2.500-5.000 CZK
Insgesamt: 2.500-15.000 CZK pro Episode

Subklinische Mastitis

  • Produktionsverlust von 5-15 %:
    3.500-12.000 CZK pro Laktation
  • Zu- bzw. Abschläge der Molkerei für Tankmilchparameter (SCC, Fett, Eiweiß):
    0,5-2 CZK/Liter

  • Erhöhtes Risiko einer klinischen Episode

Erhöhtes Risiko einer klinischen Episode

  • Vorzeitige Aussonderung chronisch erkrankter Kühe:
    20.000-40.000 CZK pro Tier
  • Verminderte Reproduktionsleistung (Entzündungen beeinflussen Brunstzyklen und Trächtigkeitsraten)
  • Zunehmender Antibiotikaeinsatz → Antibiotikaresistenzen → höhere Kosten für Antibiotikatherapien

Rentabilität der Investition in Diagnostik

ClearMilk-Test + Antibiogramm kosten nur einige hundert CZK pro Probe. Durch diese Investition können Sie die Häufigkeit von Mastitis reduzieren und die Ausbreitung von Mastitiserregern im Bestand verhindern. Die Investition in Diagnostik kann sich um ein Vielfaches auszahlen.

FAQ - häufig gestellte Fragen zur Mastitis

Mastitis ist eine Entzündung der Milchdrüse bei Milchkühen, die meistens durch eine bakterielle Infektion verursacht wird. Etwa die Hälfte aller Kühe erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Die Erkrankung eines Euterviertels reduziert die Milchleistung um mindestens 10-12 % und kann während der Behandlung dazu führen, dass Milch aufgrund von Antibiotikarückständen nicht verwendet werden darf. Eine frühzeitige Diagnostik und gezielte Therapie sind entscheidend.

Wir unterscheiden vier Hauptformen: subklinische Mastitis (keine sichtbaren Symptome, nur erhöhte SCC - 70-80 % der Fälle), akute klinische Mastitis (Schwellung, Schmerzen, veränderte Milch), perakute Mastitis (systemische Symptome, ohne sofortige Behandlung häufig lebensbedrohlich) und chronische Mastitis (wiederkehrende Episoden, häufig Aussonderung erforderlich). Jede Form erfordert einen unterschiedlichen diagnostischen und therapeutischen Ansatz.

Eine subklinische Mastitis verläuft ohne sichtbare Symptome - die Kuh wirkt gesund und die Milch erscheint normal. Erkannt wird sie nur durch eine erhöhte Zellzahl von über 200.000 Zellen/ml oder durch Screeningtests wie den CMT. Eine klinische Mastitis ist dagegen sichtbar: Euterschwellung, Schmerzen, veränderte Milch mit Flocken oder Blut und häufig Fieber. Die subklinische Form ist häufiger, während die klinische Form deutlich auffälliger verläuft.

Zu den wichtigsten Symptomen zählen Veränderungen der Milch (Flocken, Blut, Eiter, ungewöhnliche Farbe oder Konsistenz), Schwellung eines oder mehrerer Euterviertel, Berührungsschmerz, erhöhte lokale Temperatur des Euters und verminderte Milchleistung. Bei akuten Formen treten zusätzlich systemische Symptome auf - Fieber über 39,5 °C, verminderte Futteraufnahme, Lethargie und Dehydratation.

Mastitis wird hauptsächlich durch Bakterien und seltener durch Hefen oder Algen verursacht. Die Erreger werden in kontagiöse Erreger (Staphylococcus aureus, Streptococcus agalactiae, S. uberis - Übertragung von Kuh zu Kuh) und Umwelterreger (E. coli, Klebsiella spp., S. uberis - aus der Umgebung des Bestandes) unterteilt. Auch prädisponierende Faktoren wie Melkhygiene, Qualität der Einstreu, Fütterung und Stress beeinflussen die Entstehung einer Infektion. Ausführliche Informationen zu den einzelnen Erregern finden Sie in unserem Erregeratlas.

Die Diagnostik erfolgt in drei Stufen: (1) Screening mittels SCC-Monitoring und CMT/NK-Test (schnell, kostengünstig und für den gesamten Bestand geeignet), (2) Erregeridentifikation direkt auf dem Betrieb mit dem ClearMilk-Test (Ergebnis innerhalb von 22-26 Stunden), (3) Laborbestätigung mit Antibiogramm und MALDI-TOF zur exakten Artbestimmung. Welche Methode eingesetzt wird, hängt von der jeweiligen Situation ab - vom regelmäßigen Monitoring über akute Fälle bis zur Erstellung eines Antibiogramms.

Die Mastitisbehandlung folgt dem Prinzip des Antibiotic Stewardship - Antibiotika werden gezielt anhand eines Antibiogramms eingesetzt und nicht auf Verdacht. Bei grampositiven Erregern kommen typischerweise Penicilline und Cephalosporine der 1. Generation zum Einsatz, bei gramnegativen Erregern gegebenenfalls Fluorchinolone oder Cephalosporine der 3.-4. Generation. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 3-7 Tage bei akuter und 5-7 Tage bei subklinischer Mastitis. Nach der Behandlung muss die vorgeschriebene Wartezeit für Milch eingehalten werden. Chronische Fälle erfordern häufig eine Aussonderung.

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