Selektives Trockenstellen von Milchkühen: ohne flächendeckende Antibiotikagabe

Selektive Trockenstellung von Milchkühen bedeutet, dass intramammäre Antibiotika nur bei Kühen eingesetzt werden, die sie tatsächlich benötigen – basierend auf der Anzahl der somatischen Zellen, der Vorgeschichte von Mastitiden und der bakteriologischen Untersuchung. Andere Kühe erhalten nur eine Zitzenkappe als mechanischen Schutz. Bei richtiger Umsetzung reduzieren Sie den Antibiotikaeinsatz um 30–50 %, ohne das Risiko von Mastitiden in der folgenden Laktation zu erhöhen.

Was ist selektives Trockenstellen von Milchkühen?

Das selektive Trockenstellen (engl. Selective Dry Cow Therapy, SDCT) ist ein moderner Ansatz zur Behandlung von Mastitis bei Milchkühen während des Übergangs von der Laktation in die Trockenstehperiode. Der wesentliche Unterschied zur bisher üblichen prophylaktischen Antibiotikagabe beim Trockenstellen besteht darin, dass nicht automatisch alle Kühe Antibiotika erhalten, sondern nur diejenigen, bei denen dies anhand objektiver Kriterien sinnvoll ist.

Kühe ohne Anzeichen einer Infektion erhalten lediglich einen Zitzenversiegler - eine physische Barriere, die während der Trockenstehperiode das Eindringen von Krankheitserregern in das Euter verhindert. Kühe mit nachgewiesener subklinischer oder klinischer Infektion erhalten eine gezielte Antibiotikatherapie, idealerweise auf Grundlage eines Antibiogramms.

Der selektive Ansatz wird heute auch durch die EU-Gesetzgebung unterstützt - die Verordnung 2019/6 beschränkt den vorbeugenden Einsatz von Antibiotika bei Tiergruppen ohne nachgewiesene Infektion. Das bedeutet, dass das flächendeckende antibiotische Trockenstellen aller Kühe nicht mehr den aktuellen EU-Vorgaben für die tierärztliche Praxis entspricht.

Selektives vs. flächendeckendes Trockenstellen - vollständiger Vergleich

Das flächendeckende Trockenstellen (engl. Blanket Dry Cow Therapy, BDCT) war jahrzehntelang Standardpraxis - jede Kuh erhielt beim Trockenstellen unabhängig von ihrem Gesundheitsstatus ein antibiotisches Dry-Cow-Präparat. Der selektive Ansatz stellt diese Praxis grundlegend neu auf.

KriteriumFlächendeckendes Trockenstellen (BDCT)Selektives Trockenstellen (SDCT)
Wer erhält Antibiotika?Jede KuhNur Kühe mit nachgewiesener Infektion
Wer erhält einen Zitzenversiegler?OptionalAlle Kühe
AntibiotikaverbrauchHoch (100 %)30–50 % (Einsparung 50–70 %)
Übereinstimmung mit EU 2019/6❌ Nein✅ Ja
Mastitisrisiko in der nächsten LaktationHöherNiedriger
Notwendigkeit der DiagnostikNicht erforderlichEntscheidend (SCC, Kultur, Antibiogramm)
AntibiotikakostenHöher30–50 % niedriger
Risiko der Resistenzentwicklung im BestandHöherNiedriger

Im Journal of Dairy Science veröffentlichte Studien bestätigen wiederholt, dass korrekt umgesetztes selektives Trockenstellen die Mastitishäufigkeit in der folgenden Laktation gegenüber dem flächendeckenden Trockenstellen nicht erhöht. Entscheidend ist die richtige Auswahl der Kühe anhand bewährter Kriterien.

Wann sollte eine Kuh trockengestellt werden?

Der übliche Zeitpunkt für das Trockenstellen liegt 6-8 Wochen (42-60 Tage) vor dem erwarteten Abkalben. Diese Phase ist für die Kuh besonders wichtig und ermöglicht:

  • Regeneration des Milchdrüsengewebes
  • Behandlung bestehender Infektionen (selektiv entsprechend der Diagnostik)
  • Vorbereitung auf die nächste Laktation - Kolostrumbildung und hormonelle Veränderungen
  • Entlastung des Stoffwechsels nach einer anspruchsvollen Laktation

Wann früher oder später trockenstellen?

  • Kühe mit niedriger Milchleistung (unter 12 kg/Tag): können abrupt trockengestellt werden
  • Kühe mit hoher Milchleistung (über 25 kg/Tag): Milchleistung 7-10 Tage vor dem Trockenstellen schrittweise reduzieren, idealerweise durch Anpassung der Futterration
  • Kühe mit wiederkehrender Mastitis: früher trockenstellen (60-70 Tage), Behandlung gegebenenfalls verlängern
  • Erstkalbinnen und Kühe mit subklinischer Mastitis im letzten Drittel der Laktation: zum empfohlenen Zeitpunkt trockenstellen, jedoch mit Antibiotikatherapie

Wann kann eine Kuh ohne Antibiotika trockengestellt werden?

Eine Kuh ist eine geeignete Kandidatin, wenn sie die meisten der folgenden Kriterien erfüllt:

  • SCC < 200.000 Zellen/ml bei den letzten 1-3 Kontrollen
  • Keine klinische Mastitis während der letzten Laktation
  • Keine wesentlichen Zitzenschäden
  • Negativer bakteriologischer Befund (z. B. mittels ClearMilk-Test)
  • Geringes Risiko auf Bestandsebene (niedrige SCC, gute Hygiene)
In einem durchschnittlichen Milchviehbestand erfüllen 60-75 % der Kühe diese Kriterien. Darin liegt das tatsächliche Potenzial zur Einsparung von Antibiotika.

Kriterien für selektives Trockenstellen

Für die Entscheidung, welche Kuh ein Antibiotikum und welche nur einen Zitzenversiegler erhält, werden drei Informationsebenen berücksichtigt:

SCC (somatische Zellzahl)

Wichtigster Routineindikator. Beobachtet werden:

  • Aktuelle SCC bei der letzten Messung vor dem Trockenstellen
  • SCC-Trend der letzten drei Messungen
  • Maximale SCC während der Laktation
Der Grenzwert variiert je nach Protokoll, typischerweise gilt jedoch:
  • SCC unter 200.000 bei allen letzten Messungen → keine Antibiotika (nur Zitzenversiegler)
  • SCC über 200.000 bei mindestens zwei von drei Messungen → Kontrolluntersuchung mit ClearMilk-Test
  • SCC über 500.000 → ClearMilk-Test oder bakteriologische Laboruntersuchung + Antibiogramm → gezielte Antibiotikatherapie

Mastitisvorgeschichte

Zweite Entscheidungsebene - auch eine Kuh mit niedriger SCC kann eine verborgene chronische Infektion aufweisen.

  • Klinische Mastitis in dieser Laktation → mit Antibiotika (auch bei niedriger SCC)
  • Wiederkehrende Mastitis (3+ Episoden) → Antibiotikatherapie + verlängerte Behandlung oder Aussonderung erwägen
  • Keine Mastitis während der Laktation → ohne Antibiotika

Bakteriologische Untersuchung (Kultur)

Der genaueste Parameter und entscheidend für die Frage, ob ein Antibiotikum eingesetzt werden sollte. Die Milchprobe wird 3–4 Tage vor dem Trockenstellen entnommen und mittels ClearMilk-Test oder Laborkultur untersucht.

  • Negatives Ergebnis + niedrige SCC → ohne Antibiotika
  • Positives Ergebnis (beliebiger Erreger) → gezielte Antibiotikatherapie entsprechend dem Antibiogramm
  • Nachweis von Staphylococcus aureus oder Streptococcus uberis → immer Antibiotikatherapie + verlängertes Behandlungsprotokoll erwägen

Entscheidungsschema

SCCKlinische Mastitis in der LaktationKulturEntscheidung
< 200 000NeinNegativOhne Antibiotika (nur Zitzenversiegler)
< 200 000JaNegativOhne Antibiotika (nur Zitzenversiegler)
< 200 000NeinPositivAntibiogramm - gezielte Antibiotikatherapie
< 200 000JaPositivAntibiogramm - gezielte Antibiotikatherapie
> 200 000Ja / NeinNegativGezielte Antibiotikatherapie - entsprechend dem letzten Befund
> 200 000Ja / NeinPositivAntibiogramm - gezielte Antibiotikatherapie

Schritt-für-Schritt-Vorgehen

Selektives Trockenstellen ist nicht nur die Entscheidung „Antibiotika ja/nein“ - es handelt sich um ein standardisiertes Protokoll, das dem gesamten Melkteam bekannt sein muss.

WOCHE -2

Vor dem Trockenstellen

  1. Identifikation der Kühe, die trockengestellt werden sollen - ab Laktationswoche 45
  2. Datenerfassung - aktuelle SCC, Mastitisvorgeschichte, klinische Anamnese
  3. Einteilung der Kühe in Gruppen: ohne Antibiotika / gezielte Antibiotikatherapie / Kandidatinnen für Aussonderung

WOCHE -1

Vorbereitung

  1. Schrittweise Reduzierung der Milchleistung bei Kühen mit über 20 kg/Tag (Kraftfutter reduzieren, Grundfutter beibehalten)
  2. 3-4 Tage vor dem Trockenstellen – Milchproben für die bakteriologische Untersuchung entnehmen (ClearMilk-Test)
  3. Auswertung der ClearMilk-Testergebnisse, bei positiven Befunden gegebenenfalls Antibiogramm veranlassen
  4. Vorbereitung der Dry-Cow-Präparate (Antibiotika) und Zitzenversiegler - Verfallsdatum prüfen, korrekte Lagerung sicherstellen

TAG D0

Tag des Trockenstellens

  1. Letztes Melken nach Standardroutine - Pre-Dipping, trockenes Abwischen
  2. Nach dem letzten Melken die Kuh sorgfältig behandeln: Zitzenspitze mit einem Einweg-Desinfektionstupfer desinfizieren. Präparate in folgender Reihenfolge anwenden: Kühe mit Antibiotika: zuerst das Dry-Cow-Antibiotikum, anschließend den Zitzenversiegler (der Versiegler muss immer nach dem Antibiotikum appliziert werden!). Kühe ohne Antibiotika: nur Zitzenversiegler.
  3. Post-Dipping mit einem Schutzfilm auf den Zitzen
  4. Kuh in einen sauberen, frisch eingestreuten Bereich für Trockensteher bringen

WOCHE +1

Überwachung

  1. Regelmäßige Kontrolle des Euters (Schwellung, Schmerzen, klinische Mastitis)
  2. Bei klinischen Symptomen sofort den Tierarzt konsultieren - eine Behandlung ist auch während der Trockenstehperiode möglich

WOCHE +5 bis +8

Vor dem Abkalben

  1. Vorbereitung auf die Kalbung - Umstallung in die Abkalbebox, Kontrolle der Körperkondition
  2. Nach dem Abkalben: erster CMT/NK-Test an allen Vierteln, Kontrolle der ersten normalen Milch nach der Kolostralphase

Zitzenversiegler - intern vs. extern

Ein Zitzenversiegler ist eine mechanische Barriere, die während der Trockenstehperiode das Eindringen von Bakterien in das Euter verhindert. Es gibt zwei Typen:

Interner Zitzenversiegler (Internal Teat Sealant, ITS)

  • Mechanismus: Paste aus Bismut oder anderen mineralischen Bestandteilen, die intramammär über den Strichkanal appliziert wird
  • Schutzdauer: während der gesamten Trockenstehperiode (60 Tage) bis zum ersten Melken
  • Wirksamkeit: bis zu 70 % weniger Neuinfektionen im Vergleich zu Kühen ohne Versiegelung
  • Anwendung: muss unter aseptischen Bedingungen erfolgen, eine Einzeltube pro Euterviertel
  • Beispiele für Präparate: OrbeSeal, Boviseal, ClearSeal
  • Nachteile: höhere Kosten, präzise Anwendung erforderlich, nach dem Abkalben muss der Versiegler manuell ausgemolken werden

Externer Zitzenversiegler (External Teat Sealant)

  • Mechanismus: Silikon- oder Latexfilm auf der äußeren Zitzenoberfläche
  • Schutzdauer: 5–14 Tage (löst sich allmählich ab)
  • Wirksamkeit: geringer als bei ITS, heute deutlich seltener eingesetzt
  • Anwendung: einfacher und kostengünstiger
  • Nachteile: begrenzte Schutzdauer, wiederholte Anwendung erforderlich

Empfehlung

Beim selektiven Trockenstellen in modernen Milchviehbeständen gilt der interne Zitzenversiegler als Standard. Externe Versiegler werden heute nur noch ergänzend eingesetzt, z. B. während des Transports oder zusätzlich zum ITS.

Wichtiger Hinweis

Ein interner Zitzenversiegler ist KEIN Antibiotikum. Bei korrekter Anwendung besteht keine antibiotikabedingte Wartezeit für Milch. Nach dem Abkalben muss der Versiegler vor dem Ansetzen des Melkzeugs manuell ausgemolken werden - er erscheint als weiße bis gelbliche Masse und muss vollständig entfernt werden.

Antibiotika beim Trockenstellen

Wenn bei einer Milchkuh eine Antibiotikabehandlung angezeigt ist, muss anhand eines selektiven Protokolls das geeignete Dry-Cow-Präparat ausgewählt werden.

Arten von Dry-Cow-Präparaten

WirkstoffTypische PräparateZielerreger
CefaloniumCepravin DCG+, teilweise G−
CloxacillinOrbenin DCG+ (S. aureus, S. uberis)
Penethamat + FramycetinUbrostar DCG+ und G−
Ampicilin + CloxacilinBovaclox DCBreites Wirkspektrum
CefquinomVirbactan DCBreites Wirkspektrum
(Indikationseinschränkung!)

Achtung: Cephalosporine der 3. und 4. Generation gehören gemäß EU 2019/6 zur Kategorie B — sie sollten nur unter strenger Indikationsstellung eingesetzt werden, wenn Wirkstoffe der Kategorien C/D nicht ausreichen.

Auswahl anhand des Antibiogramms

Die Auswahl des Antibiotikums sollte immer anhand des Antibiogramms aus der bakteriologischen Untersuchung erfolgen.

Wartezeit nach dem Trockenstellen

Für jedes antibiotische Dry-Cow-Präparat gelten Wartezeiten für Milch und Fleisch entsprechend den Angaben in der Packungsbeilage.

Wirtschaftlichkeit des selektiven Trockenstellens

Der selektive Ansatz reduziert nicht nur den Antibiotikaverbrauch, sondern hat auch konkrete finanzielle Vorteile.

Jährliche Einsparung für einen typischen Betrieb

Bei einem Bestand von 200 Milchkühen mit einer Laktationsdauer von 305 Tagen (also etwa 200 Trockenstellungen pro Jahr):

  • Einsparung bei Antibiotika: ca. 200 × 80 CZK = 16.000 CZK/Jahr
  • Einsparung beim Verwaltungsaufwand (weniger Antibiotikadokumentation): weitere ca. 5.000 CZK/Jahr
  • Geringeres Risiko hoher Sanktionen bei Verstößen gegen geltende Vorschriften
  • Weniger resistente Bakterien im Bestand: langfristiger strategischer Nutzen - weniger Fälle schwer oder nicht behandelbarer Mastitis.

Risiko eines Misserfolgs beim selektiven Trockenstellen

Selektives Trockenstellen darf nicht ohne Diagnostik und ein standardisiertes Protokoll eingeführt werden. Wird bei einer Kuh mit nicht diagnostizierter subklinischer Mastitis auf Antibiotika verzichtet, steigt das Risiko einer klinischen Episode in der nächsten Laktation deutlich. Eine klinische Mastitis verursacht Kosten von etwa 200-400 EUR.

Häufige Fehler beim Trockenstellen

Anwendung ohne Desinfektion

Wird die Zitzenspitze vor der Anwendung eines Dry-Cow-Präparats oder Zitzenversieglers nicht desinfiziert, besteht das Risiko, direkt intramammär eine neue Infektion einzutragen. Folge: Mastitis innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Trockenstellen.

Falsche Reihenfolge - Zitzenversiegler vor dem Antibiotikum

Wird der Zitzenversiegler vor dem Antibiotikum appliziert, gelangt das Antibiotikum nicht korrekt in das Euter. Immer folgende Reihenfolge einhalten: Desinfektion → Antibiotikum → Zitzenversiegler → Post-Dipping.

Nicht standardisiertes Vorgehen im Team

Wenn jedes Mitglied des Melkteams anders vorgeht, sinkt die Qualität des selektiven Trockenstellens. Empfehlung: schriftliche SOP, jährliche Schulung und mindestens einmal jährlich ein internes Audit.

Verzicht auf Diagnostik

Selektives Trockenstellen ohne Diagnostik ist nicht selektiv - es ist zufällig. Ohne SCC-Monitoring, Kultur und Antibiogramm lässt sich nicht zuverlässig entscheiden, ob und welches Antibiotikum eingesetzt werden sollte.

Zu kurze Trockenstehperiode

Eine Trockenstehperiode von weniger als 40 Tagen ist für die Regeneration des Milchdrüsengewebes zu kurz. Bei Hochleistungskühen sollte die Fütterung 1–2 Wochen vor dem geplanten Trockenstellen schrittweise angepasst werden, damit die Milchleistung sinkt.

Schlechte Hygiene im Trockensteherbereich

Nasse und verschmutzte Einstreu während der Trockenstehperiode ist eine wichtige Quelle für Umweltinfektionen (E. coli, Klebsiella spp.). Selektives Trockenstellen ohne gute Umgebungshygiene bedeutet ein hohes Risiko für Mastitis nach dem Abkalben.

Zitzenversiegler wird nach dem Abkalben nicht vollständig entfernt

Der interne Zitzenversiegler muss nach dem Abkalben vor dem Ansetzen des Melkzeugs manuell vollständig ausgemolken werden. Unvollständige Entfernung führt zu Versieglerresten im Melksystem und zur Verunreinigung der Milch.

Wiederkehrende Mastitis während der Trockenstehperiode - was tun?

Bei manchen Kühen tritt Mastitis wiederholt während der Trockenstehperiode oder kurz nach dem Abkalben auf. Die häufigsten Ursachen sind:

Staphylococcus aureus

Dieser Erreger kann in das Eutergewebe eindringen und lässt sich mit einer üblichen Dry-Cow-Therapie nur schwer eradizieren. Empfehlungen:

  • MALDI-TOF + Antibiogramm zur Identifikation des Stammes und Bestimmung der Empfindlichkeit
  • Verlängerte Behandlung - in indizierten Fällen nach Rücksprache mit dem Tierarzt
  • Bei 3+ wiederkehrenden Episoden im selben Viertel → Aussonderung erwägen (die Kuh stellt ein Infektionsreservoir dar und hat geringe Heilungschancen)

Streptococcus uberis

Besiedelt das Euter häufig chronisch. Empfehlungen:

  • z. B. Cephalosporin der 1. Generation (Antibiotikaprotokoll entsprechend dem Antibiogramm festlegen)
  • Kontrolle der Umgebungshygiene (S. uberis ist häufig ein Umwelterreger)
  • Bakteriologische Untersuchung nach dem Abkalben in der folgenden Laktation

Mycoplasma bovis

Mit Antibiotika nicht wirksam behandelbar. Bei bestätigtem Nachweis: Aussonderung, Isolation und Desinfektion des Melkbereichs.

FAQ - häufig gestellte Fragen

Selektives Trockenstellen (SDCT) bedeutet, intramammäre Antibiotika nur bei Kühen einzusetzen, die sie tatsächlich benötigen - anhand von SCC, Mastitisvorgeschichte und bakteriologischer Untersuchung. Kühe ohne Infektionsanzeichen erhalten lediglich einen Zitzenversiegler. Dieser Ansatz reduziert den Antibiotikaverbrauch um 30-50 % und entspricht den Vorgaben der EU-Verordnung 2019/6.

Der übliche Zeitpunkt liegt 6-8 Wochen (42-60 Tage) vor dem erwarteten Abkalben. Eine zu kurze Trockenstehperiode unter 40 Tagen reicht für die Regeneration des Euters nicht aus, während eine sehr lange Periode über 70 Tage das Risiko von Überkonditionierung und Stoffwechselproblemen nach dem Abkalben erhöhen und die Produktivität unnötig reduzieren kann. Bei Hochleistungskühen sollte die Milchleistung 7-10 Tage vor dem Trockenstellen schrittweise reduziert werden.

Eine Kuh kann nur mit einem Zitzenversiegler und ohne Antibiotika trockengestellt werden, wenn sie folgende Kriterien erfüllt: SCC unter 200.000 Zellen/ml bei den letzten 1-3 Messungen, negativer ClearMilk-Test oder negative Laborkultur sowie keine Anzeichen von Zitzenschäden. In einem durchschnittlichen Bestand erfüllen etwa 60–75 % der Kühe diese Kriterien.

Beim flächendeckenden Trockenstellen (BDCT) erhält jede Kuh unabhängig von ihrem Gesundheitsstatus ein Antibiotikum. Beim selektiven Trockenstellen (SDCT) wird individuell anhand von SCC, Mastitisvorgeschichte und Kulturergebnis entschieden. SDCT reduziert den Antibiotikaverbrauch um 30-50 %, senkt Resistenzrisiko und Kosten, ohne die Mastitishäufigkeit in der nächsten Laktation zu erhöhen.

Antibiotika benötigen Kühe mit positivem bakteriologischem Befund. Ein Nachweis von Staphylococcus aureus oder Streptococcus uberis erfordert besondere Aufmerksamkeit. Auch eine Vorgeschichte mit wiederkehrender Mastitis oder geschädigte Zitzen sind wichtige Faktoren. Bei positiver Kultur sollte das Antibiotikum anhand des Antibiogramms gewählt werden.

Optimal sind 42-60 Tage. Eine kürzere Periode lässt nicht genügend Zeit für die Regeneration des Milchdrüsengewebes, eine längere kann das Risiko von Überkonditionierung, Stoffwechselproblemen und auch einer erhöhten SCC steigern. Bei Kühen mit hoher Milchleistung (>25 kg/Tag) sollte die Fütterung 1-2 Wochen vor dem Trockenstellen schrittweise angepasst werden, um die Milchleistung zu reduzieren.

Ein Zitzenversiegler ist eine mechanische Barriere, die während der Trockenstehperiode das Eindringen von Bakterien in das Euter verhindert. Ein interner Zitzenversiegler (ITS) ist eine bismuthaltige Paste, die intramammär appliziert wird - sie schützt während der gesamten Trockenstehperiode und gilt als Standard beim modernen selektiven Trockenstellen. Ein externer Zitzenversiegler ist eine Silikonschicht auf der Zitzenhaut und ist weniger wirksam.

Der interne Zitzenversiegler (ITS) ist eine intramammär applizierte Paste, die während der gesamten Trockenstehperiode schützt und Neuinfektionen um bis zu 70 % reduzieren kann. Nach dem Abkalben wird er manuell ausgemolken. Der externe Versiegler ist eine Silikon- oder Latexschicht auf der Außenseite der Zitze und schützt etwa 5-14 Tage. Beim selektiven Trockenstellen ist der interne Versiegler Standard, externe Versiegler werden nur selten eingesetzt.

Die Wahl des Antibiotikums hängt vom Ergebnis des Antibiogramms ab. Bei Staphylococcus aureus wird häufig Cloxacillin eingesetzt, bei Streptococcus uberis entsprechend dem Empfindlichkeitsprofil ein geeignetes Präparat. Breit wirksame Kombinationspräparate können in bestimmten Fällen eingesetzt werden. Cephalosporine der 3.-4. Generation gehören gemäß EU 2019/6 zur Kategorie B und sollten nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden.

Die Wartezeit von Dry-Cow-Antibiotika hängt vom jeweiligen Präparat ab. Häufig gelten produktspezifische Fristen während der Trockenstehperiode sowie zusätzliche Stunden oder Tage nach dem Abkalben. Maßgeblich sind immer die Angaben in der Packungsbeilage des jeweiligen Präparats.

Beim selektiven Trockenstellen mit Diagnostik (ClearMilk-Test ca. 180 CZK pro Test) und gezieltem Antibiotikaeinsatz können etwa 140 CZK pro Kuh eingespart werden. Das entspricht einer Kosteneinsparung von etwa 40-45 % gegenüber dem flächendeckenden Antibiotikaeinsatz. Bei einem Bestand von 200 Milchkühen ergibt sich eine direkte Einsparung von ungefähr 28.000 CZK pro Jahr bei Antibiotika. Weitere Vorteile sind geringerer Verwaltungsaufwand, ein niedrigeres Risiko regulatorischer Sanktionen im Rahmen der EU-Verordnung 2019/6 und langfristig eine geringere Entwicklung antimikrobieller Resistenzen - damit Antibiotika auch dann wirksam bleiben, wenn sie tatsächlich benötigt werden.

Wiederkehrende Mastitis während der Trockenstehperiode weist häufig auf eine chronische Infektion mit Staphylococcus aureus oder Streptococcus uberis hin. Empfohlen werden: (1) MALDI-TOF-Identifikation des Erregers und Erstellung eines Antibiogramms, (2) gegebenenfalls verlängerte Behandlung nach tierärztlicher Beurteilung, (3) Kontrolle der Hygiene im Trockensteherbereich, (4) bei 3+ Episoden im selben Viertel Aussonderung erwägen - eine chronisch infizierte Kuh stellt ein Infektionsreservoir für den Bestand dar.

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